Ein Plädoyer gegen das Netzwerken (für alle introvertierten)

Von: Tim Gelhausen | Zuletzt aktualisiert: 23.01.23

Mittwochmorgen – ich bin mit einer Bekannten auf dem Weg zum Amtsgericht Köln, um aus der Kirche auszutreten. Wir hatten beide Termine, die nah beieinander lagen.

„Ich treffe mich später noch mit jemandem, mit dem ich dann eine Stunde durch Köln spaziere“, sagte sie.

„Kennst du die Person?“, fragte ich nach.

„Nur flüchtig von LinkedIn“, antwortete sie.

In dem Moment zog sich in mir alles zusammen.

Mir rollen sich die Zehennägel bei der Vorstellung auf, jemand fast fremden zu treffen und „einfach so“ spazieren zu gehen.

Die Person könnte genauso gut ein Säbelzahntiger sein. Mein Stresslevel wäre identisch.

Ich hasse Networking.

Ich gehe nicht gerne auf Konferenzen. Ich will nicht mit wildfremden Menschen sprechen, um mich „auszutauschen“. Und damit ich mit jemand Fremden eine Stunde durch Köln spaziere, müsstest du mir einen siebenstelligen Betrag zahlen.

Du kannst dir vermutlich denken: Ich bin introvertiert. Sehr introvertiert.

Ich bleibe gerne in meiner Höhle.

Dennoch realisiere ich: Your network is your net worth.

Kontakte zu haben, ist wertvoll. Ich habe schon mehrfach von meinen Kontakten profitiert. Sei es, wenn ich Business-relevante Fragen habe oder eine Empfehlung brauche.

Ohne mein Netzwerk an Kontakten stünde ich heute sicher nicht da, wo ich bin.

Aber wie verheiratet man diese beiden Zustände? Einerseits den Wunsch nach einem starken Netzwerk und andererseits das Leben als introvertierter Einsiedlerkrebs?

Nun, ich habe da einen Ansatz gefunden, der es mir erlaubt, wertvolle Kontakte zu knüpfen, ohne auf Konferenzen zu fahren und andere mit „Hi, ich bin Tim – und was machst du?“ anzusprechen (wie ich diese Worte schreibe, läuft mir bei der Vorstellung ein kalter Schauer den Rücken hinab.)


INHALTSVERZEICHNIS
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Mein Ansatz: Sei so gut, dass man dich nicht ignorieren kann

Zugegeben: Es ist nicht „mein“ Ansatz. Dieser geht auf das Buch „So good they can’t ignore you“ von Cal Newport zurück.

Die Kernaussage des Buchs lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wenn du als Experte oder Autor Erfolg haben willst, lass deine Werke für dich sprechen. Wenn du kontinuierlich erstklassige Arbeit ablieferst, werden andere zwangsweise auf dich aufmerksam.

Du bist irgendwann so gut, dass man dich nicht ignorieren kann.

Und wenn du als Koryphäe für ein Thema wahrgenommen wirst, wollen dich mehr Menschen kennenlernen. Du musst also nicht aktiv netzwerken – deine Arbeit zieht automatisch hochkarätige Kontakte an.

Um ein Netzwerk aufzubauen, frage dich also nicht: „Wie kann ich möglichst schnell viele Personen kennenlernen?“, sondern: „Wie kann ich Ergebnisse produzieren, die man einfach nicht ignorieren kann, sodass andere auf mich zukommen wollen?“.

Selbst, wenn mir das aktive Netzwerken mit fremden Menschen Freude bereiten würde, halte ich es für keine gute Idee. Ständig zu netzwerken, bringt dich vom Weg ab.

Je mehr du dich austauschst, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass du den Fokus verlierst. Je mehr Menschen du kennenlernst, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass du dir denkst: „Oh, wow. Was die Sabine macht, das muss ich auch unbedingt machen“.

Und so streust du deine begrenzte Aufmerksamkeit auf viele unfertige Projekte, weil du vom Netzwerken ständig neue Ideen bekommst. Es ist so, als ob du eine Diät machen wolltest und in deiner Wohnung überall gut sichtbar Kekse platzierst.

Beim Netzwerken zählt für mich also nicht die Menge der Kontakte, sondern die Qualität.

Und die besten Kontakte findest du nicht auf großen Konferenzen mit einem Standard-Zutritt-Ticket. Die besten Kontakte findest du hinter geschlossenen Türen.

Zugang zu den wirklich heißen Kontakten bekommen

Ich mag es nicht zu netzwerken, aber natürlich können die richtigen Kontakte dein Business raketenartig befeuern.

Und genau die richtigen Kontakte kommst du nur auf 3 Wegen:

1. Du bezahlst.

Das ist gerade in der Business-Welt üblich. Wenn du mehr Zugang zu interessanten Menschen haben willst, dann musst du ihnen etwas bieten können. Ich mein – warum sollte jemand, zu dem du aufschaust, einfach so Zeit mit dir verbringen, wenn er nicht auch etwas davon hat?

Das klingt womöglich etwas hart, aber versetze dich einen Moment in die Position der Person. Sie bekommt vermutlich etliche Anfragen dieser Art. Vielleicht sogar täglich. Sie kann unmöglich mit jedem, der sie kennenlernen möchte, einen Kaffee trinken gehen.

Das ist nur verständlich. Die Zeit von wichtigen Personen ist kostbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn du also Zugang zu einem qualitativen Netzwerk haben möchtest, investiere in ein Angebot dieser Person, falls sie eines anbietet.

In ein hochpreisiges Angebot, wohlgemerkt. Wenn du dir ein Buch für 9,99 € kaufst, kannst du nicht erwarten, dass dir der Autor seine Zeit schenkt.

2. Du kannst etwas bieten.

Falls du nicht bezahlen kannst, musst du hochkarätigen Kontakten etwas anderes bieten können. Beispielsweise Reichweite.

Wenn ich jemanden aus meiner Branche kennenlernen möchte, könnte ich dieser Person etwa ein Interview in meinem Podcast anbieten. Durch das Interview bekommt die Person Reichweite.

Denn wie zuvor erwähnt: Erwarte nicht, dass die Personen, zu denen du aufschaust, dir einfach so Aufmerksamkeit schenken wird, wenn sie selbst nichts davon haben.

Wenn du Reichweite bieten kannst – sei es über deinen Blog, YouTube-Kanal, Podcast, Newsletter –, hast du eine Möglichkeit, den Fuß in die Türe zu bekommen.

3. Du wirst eingeladen.

Das ist der effektivste, aber gleichzeitig schwierigste Weg, an ein qualitatives Netzwerk zu gelangen.

Ich rede hier nicht von Online-Summits, zu denen jeder Hinz und Kunz eingeladen wird. Ich spreche von exklusiven Zusammenkommen großer Köpfe – Masterminds.

Wenn du auf exklusive Events eingeladen wirst, bei denen es eine Eintrittsschranke gibt, bist du sofort auf Augenhöhe mit den anderen Teilnehmern. Jeder Teilnehmer weiß, dass jeder andere Teilnehmer einen gewissen Standard erreicht haben muss, um hier zu sein. Dadurch ist es einfacher, ins Gespräch zu kommen. Niemand ist auf einem Podest.

Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass ein einzelner Kontakt, der aus einem wirklich exklusiven Event entsteht, hunderte, gar tausende Kontakte wert sein kann.

Wie du eine Einladung erhältst? Nun, entweder auf Empfehlung oder du wirst so gut, dass man dich nicht ignorieren kann.

Und sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Wenn deine Arbeit irgendwann so gut wird, dass dein Name überall aufploppt, weil in der Branche positiv über dich gesprochen wird, denken sich andere Menschen: „Den muss ich mal kennenlernen.“

Und was heißt das jetzt für dich?

Publiziere.

Veröffentliche Content. Blogposts, Podcasts, YouTube-Videos – was auch immer. Sorg dafür, dass man über dich spricht, indem du grandiose Arbeit ablieferst.

Aber kauf dir kein Standard-Ticket für die neueste Marketing-Konferenz für 49 €, um dort „Kontakte zu knüpfen“, wenn du wirklich wertvolle Kontakte aufbauen möchtest.

So seltsam es auch klingt: Der effektivste Weg zu einem wertvollem Netzwerk ist, weniger zu netzwerken.

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Tim Gelhausen

Über den Autor

Hi, ich bin Tim – Host des Conversion Copywriting Podcast und Gewinner des 2-Comma-Club-Awards.

Als Copywriter helfe ich dir durch fesselnde Werbetexte und authentisches Marketing, Kunden für deine Online-Kurse und Coachings zu gewinnen.

Ich bin der Typ, zu dem andere kommen, wenn sich ihre Produkte nicht gut genug verkaufen.

Meine Achillesferse? Ben & Jerry's. Davon komme ich einfach nicht weg.

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